
Wie angekündigt, fanden vom 12. bis zum 14. Juni 2009 im brandenburgischen Rathenow die diesjährigen Bismarck-Tage statt. Organisatoren waren der Bismarckbund e. V. und das Bismarckmuseum in Jever unter der Federführung von Herrn Günther G. A. Marklein. Einige Mitglieder der Kaisertreuen Jugend nahmen an der sehr gelungenen und lehrreichen Veranstaltung teil.
Am Freitag Abend hielt Herr Marklein den Eröffnungsvortag zum Thema „Der Beginn der parlamentarischen Laufbahn Bismarcks vor 160 Jahren in Rathenow“. Sein Programm von 1849 lautete: Unterstützung der Regierung, Kampf gegen die Revolution, Vertrauen zwischen Krone und Volk! (Der gesamte Vortrag wird uns in Kürze auch schriftlich vorliegen.) Anschließend kam es zu einem lebhaften Meinungsaustausch.
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Besichtigung der Stadt Rathenow und ihrer sehr wasserreichen Umgebung. Die Stadt wurde leider bei Kampfhandlungen in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges stark beschädigt. Dennoch sind einige historische Bauwerke erhalten, wie zum Beispiel Teile der Stadtmauer, die Stadtschleuse mit dem liebevoll restaurierten Haus des Schleusenwärters. Daneben das Denkmal des Großen Kurfürsten, geschaffen von Bildhauern der Schule Andreas Schlüters. Weiterhin die Bebauung rund um die St.-Marien-Andreas-Kirche. Hier kann man noch das Küsterhaus (Ältestes erhaltenes Wohnhaus der Stadt), das alte Pfarrhaus und die Superintendentur besichtigen. Nicht zuletzt natürlich die romanisch-gotische Stadtkirche mit dem Doppelpatronat „Marien-Andreas“. Der Name stammt aus dem frühen Mittelalter, als die Kirche zwischen zwei Kapellen, nämlich der Marienkapelle und der Andreas-Kapelle, errichtet wurde. Beide Kapellen sind noch erhalten und lassen einen tiefen Blick in typische Bauweise dieser Zeit zu. Auch die Stadtkirche wurde im Krieg fast vollständig zerstört und verlor ihren Turm, ihre Gewölbe und die Apsis. Seit Jahren läuft der Wiederaufbau! Der Turm erglänzt bereits in alter Schönheit und grüßt weit in das brandenburgisch-preußische Land hinaus. Die Apsis wurde wieder errichtet und beherbergt heute neben einem wertvollen gotischen Schnitzaltar auch wunderschöne moderne Fenster mit Szenen aus dem alten- und dem neuen Testament. Zur Zeit wird die Kirche wieder neu eingewölbt, dabei bedient man sich ausschließlich mittelalterlicher Bautechniken.
Am Nachmittag durften wir dann den Anblick der Stadt vom Schiff aus erleben. Die rund zweistündige Fahrt ging über die Kanäle und Schleusen der Innenstadt weit hinaus in den Lauf der Havel. Die Schönheit und die Anmut der märkischen Landschaft, die schon Theodor Fontane in den Beschreibungen seiner Wanderungen gerühmt hat, kommt vom Wasser aus in besonderer Weise zur Geltung.
Der gemütliche Ausklang am Abend fand nicht einfach irgendwo statt, sondern in den bekannten und berühmten „Bismarck-Terrassen“ in Brandenburg an der Havel! Bei gepflegter Gastlichkeit und „Preußen-Pils“ gelang es dem Inhaber Herrn Günter Weber auch immer wieder, seinen Gästen durch Stimm- und Musikeinlagen Anekdoten aus der „guten alten Zeit“ nahe zu bringen.
Am Sonntag fanden die Bismarck-Tage mit einer Wanderung zum Rathenower Bismarck-Turm auf dem ehemaligen Weinberg ihren Abschluß. Der Turm wurde im Jahre 1914 zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers, Fürst Otto von Bismarck errichtet. Der Bismarckturm-Verein Rathenow betreut heute das Bauwerk und hat sich auch erfolgreich für dessen Instandsetzung eingesetzt. Nachdem wir den herrliche Rundblick aus 34 Meter Höhe genossen hatten, referierte im Vereinsraum Herr Hans-Joachim Mellies vom Stadtmuseum Dessau zum Thema „Die Bismarcks in Pommern – Bilder und Reiseeindrücke“. Er zeigte u. a. Bilder vom Gut Kniephof im Landkreis Naugard in Hinterpommern, wo Otto von Bismarck die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte und vom bismarckschen Familiengut in Varzin bei Stolp, ebenfalls in Hinterpommern. Damit gelang es ihm, weniger bekannte Orte und Begebenheiten aus Bismarcks Leben anschaulich darzulegen. Herr Marklein verdeutlichte in seiner Abschlußansprache, warum Bismarck und seine Leistungen in der heutigen Zeit aktueller denn je sind und lud die Teilnehmer zu den nächsten Bismarck-Tagen im Juni 2010 nach Herford in Westfalen ein. Auch hier wird die Kaisertreue Jugend wieder dabei sein!



