
Christus-Erlöser-Kathedrale Moskau
Unter „Russische“ Erklärung zu den Menschenrechten gibt es eine Übersetzung der „Deklaration zu Menschenrechten und Menschenwürde“, wie sie beim X. Weltkonzil des Russischen Volkes in der Christus-Erlöser-Kathedrale zu Moskau vom 4. bis 6. April 2006 beschlossen wurde. Die Deklaration wurde in Deutschland bislang wenig beachtet, insgesamt aber doch eher kritisch gesehen, weil sie das westliche Menschenrechtsverständnis offen in Frage stellt. Der kürzlich verstorbene und erst vor wenigen Tagen bestattete Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche Alexii II. unterstützte sie jedoch ausdrücklich, zumal das Gremium ja unter der Schirmherrschaft der Russisch-Orthodoxen Kirche stand und steht.
Der wichtigste Abschnitt in der Erklärung in Bezug auf die Menschenrechte ist wohl: “Als Gottes Ebenbild besitzt der Mensch einen besonderen Wert, der ihm nicht genommen werden kann. Diese Tatsache muß von jeder Person, jeder Gesellschaft und jeder Regierung respektiert werden. Indem es gute Werke vollbringt, erhält das Individuum Würde. Deshalb unterscheiden wir zwischen Wert und Würde des Individuums. Wert ist inhärerent; Würde ist erworben.”
Das ist weitaus näher christlichen Menschenbild, als die Vorstellung, daß die Würde des Menschen irgendwie „unantastbar” sei und ihm gleichsam wie ein Schatten anhaftet. Folgende absichtlich zugespitzte Frage hilft den Punkt zu verstehen: Wo ist die Würde, wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt und sich dabei als Moslem auch noch im Recht sieht, weil sie kein Kopftuch trägt? Wenn man sich dieses oder andere Beispiele vor Augen hält, wird klar, daß die Würde dem Menschen eben nicht inhärent ist. Eine solche Sichtweise klingt zwar ungewohnt, ist mit den Menschenrechten aber allemal vereinbar. In Art. 1 der allgemeinen Menschenrechte steht nämlich ledilich, daß die Menschen „von Geburt an“ gleich an Würde sind. Daß wir im Erwachsenenalter alle zu Heiligen werden, sagt das ja nicht.

Unter http://www.interfax-religion.com/?act=documents&div=65 und http://www.interfax-religion.com/?act=documents&div=121 gibt es dann noch mal zwei Reden von Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad, der wohl Nachfolger des verstorbenen Moskauer Patriarchen werden wird.
Die erste Rede „Gebt Europa eine Seele. Auftrag und Verantwortung der Kirchen“, vom Mai 2006 bei der Europäischen Konferenz Christliche Kultur in Wien. Die zweite vom März 2008 als Redebeitrag beim UN Menschenrechtsrat in Genf. In der Wiener Rede sagt er ausdrücklich, daß die Deklaration die „christliche Interpretation der Menschenrechte“ ist und somit an die gesamte Christenheit gerichtet ist! In der Rede in Genf führt er dann aus, daß die Menschenrechte deshalb keine allgemeine Unterstützung finden, weil die Frage der Moral darin praktisch keine Rolle spielt.
In der Gesamtschau könnte man argumentieren, daß das Heilige Russland eben erst jetzt seinen spezifischen Beitrag zur Menschenrechtsdebatte beisteuern kann, denn als die Menschenrechte 1948/49 beschlossen wurden, gab es ja nur eine von gottlosen Kommunisten geführte Sowjetunion.
Weitere Betrachtungen zu der Deklaration gibt es unter http://www.con-spiration.de/texte/2007/stricker.html und http://www.orthodoxengland.org.uk/athwest.htm. Im ersten Link wird die Erklärung negativ gesehen, im zweiten Link positiv.

Märtyrer-Zar Nikolaus II. und seine Familie